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Warum du Pole anders lernst: Die 5 Lerntypen

Du schaust dir einen neuen Trick einmal an und weißt sofort, was zu tun ist? Oder stehst du daneben und denkst: „Sieht logisch aus“ – bis du selbst an der Pole hängst und plötzlich nicht mehr weißt, welches Bein links oder rechts ist?
Menschen nehmen neue Bewegungsabläufe unterschiedlich auf.
Die fünf Lerntypen können dabei helfen zu verstehen, warum manche Erklärungen sofort Klick machen und andere eher für zusätzliche Fragezeichen sorgen.

Inhaltsverzeichnis:

  • 1. Der visuelle Lerntyp
  • Der auditive Lerntyp
  • Der kinästhetische (motorische) Lerntyp
  • Der kommunikative Lerntyp
  • Der lesend-schreibende Lerntyp
  • Was Trainerinnen für die verschiedenen Lerntypen tun können
  • Fazit

Der visuelle Lerntyp

„Zeig es mir einfach noch einmal.“

Visuelle Lerntypen verstehen neue Inhalte besonders gut, wenn sie diese sehen können. Bilder, Videos, Demonstrationen und Grafiken helfen ihnen dabei, Bewegungsabläufe zu erfassen.

Im Pole-Dance-Unterricht bedeutet das: Die Trainerin kann einen Trick noch so detailliert erklären – richtig verständlich wird er möglicherweise erst, wenn sie ihn vormacht.

Typisch im Pole-Unterricht:

  • beobachtet Demonstrationen sehr genau
  • möchte einen Trick häufig mehrmals sehen
  • profitiert davon, die Bewegung aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten
  • arbeitet gerne mit Spiegeln oder Trainingsvideos

Beispiel:
Beim Jasmine beobachtet die Tänzerin genau, wo Hände, Knie, Hüfte und Pole zueinander positioniert sind. Besonders hilfreich kann es sein, wenn die Trainerin die Position einmal von vorne und einmal von der Seite zeigt.

Kommentar Anna: Visuell kann ich bei anderen schnell sehen warum ein Move nicht funktioniert. Eine Schrittreihenfolge oder Übergänge zwischen Tricks verstehe ich am Besten visuell.


Der auditive Lerntyp

„Erklär mir noch mal, was ich machen muss.“

Der auditive Lerntyp verarbeitet Informationen besonders gut über das Hören. Klare verbale Erklärungen und kurze Anweisungen helfen dabei, Bewegungen zu verstehen und später abzurufen.

Gerade beim Pole Dance können kurze Cues besonders hilfreich sein.

Typisch im Pole-Unterricht:

  • hört bei Erklärungen aufmerksam zu
  • merkt sich verbale Schrittfolgen
  • profitiert von kurzen, wiederkehrenden Kommandos
  • kann Bewegungen besser ausführen, wenn die Trainerin sie sprachlich begleitet

Beispiel:
Beim Erlernen eines Spins begleitet die Trainerin die Bewegung mit klaren Anweisungen wie: „Außenbein schwingen – Knie ran – Brust öffnen – Blick nach vorne.“


Der kinästhetische (motorische) Lerntyp

„Ich muss es einfach ausprobieren.“

Dieser Lerntyp lernt vor allem durch Bewegung und eigenes Erleben. Zehn Minuten Theorie bringen möglicherweise weniger als zehn Sekunden an der Pole.

Kinästhetische Lernerinnen müssen spüren, wie sich eine Position anfühlt: Wo entsteht Druck? Wo befindet sich ein Kontaktpunkt? Wie weit muss die Hüfte gedreht werden?

Typisch im Pole-Unterricht:

  • möchte nach einer kurzen Erklärung direkt loslegen
  • lernt durch Wiederholungen
  • versteht Positionen besser, wenn sie sie selbst ausprobiert
  • profitiert von vorbereitenden Übungen und Bewegungsdrills

Beispiel:
Bei einem Leg Hang versteht die Tänzerin den entscheidenden Kontaktpunkt erst richtig, nachdem sie die Position selbst ausprobiert und gespürt hat, wo die Pole am Körper liegen muss.

Kommentar Anna: Mein persönlicher Lerntyp! Mein Körper muss einmal in die richtige Position um zu verstehen was er tun soll. Also lieber Trainer*Innen: schiebt mich einfach in die richtige Pose.


Der kommunikative Lerntyp

„Moment – welches Bein war jetzt noch mal wo?“

Kommunikative Lerntypen lernen besonders gut durch Austausch, Fragen und Gespräche. Sie verarbeiten neue Informationen, indem sie darüber sprechen – mit der Trainerin oder mit anderen Teilnehmerinnen.

Auch das Erklären einer Bewegung mit eigenen Worten kann enorm hilfreich sein.

Typisch im Pole-Unterricht:

  • stellt viele Fragen
  • bespricht Bewegungsabläufe mit anderen
  • profitiert von Partnerübungen
  • versteht Zusammenhänge besser, wenn sie sie selbst erklärt

Beispiel:
Zwei Tänzerinnen üben gemeinsam einen neuen Trick. Eine führt ihn aus, während die andere die einzelnen Schritte beschreibt. Anschließend wechseln sie die Rollen.


Der lesend-schreibende Lerntyp

„Wie hieß der Trick noch mal?“

Der lesend-schreibende Lerntyp verarbeitet Informationen besonders gut über geschriebene Sprache. Notizen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Tricklisten oder Trainingspläne können deshalb besonders hilfreich sein.

Das kommt im klassischen Pole-Unterricht manchmal etwas kurz – schließlich sieht man selten jemanden mit Notizblock kopfüber an der Stange hängen.

Typisch im Pole-Unterricht:

  • schreibt sich Tricknamen auf
  • führt Trainingstagebuch
  • arbeitet gerne mit schriftlichen Anleitungen
  • merkt sich Bewegungsabläufe über Stichpunkte

Beispiel:
Nach dem Training notiert die Tänzerin die wichtigsten Punkte zum Inside Leg Hang: Einstieg, Kontaktpunkte, Beinposition, Hüftposition und Exit. Beim nächsten Training kann sie diese Informationen wieder abrufen.

Übersicht die 5 lerntypen

Was Trainerinnen für die verschiedenen Lerntypen tun können

Guter Pole-Unterricht besteht nicht nur darin, einen Trick perfekt vorzumachen. Entscheidend ist auch, wie Wissen vermittelt wird. Gerade in Gruppen treffen unterschiedliche Arten zu lernen aufeinander.

Dabei muss eine Trainerin nicht für jede Teilnehmerin einen komplett eigenen Unterricht gestalten. Schon kleine Veränderungen können mehrere Lernwege gleichzeitig ansprechen.

Visuelle Lerntypen fördern

Bei visuellen Lernerinnen gilt: zeigen statt nur erklären.

Trainerinnen können:

  • Tricks mehrfach demonstrieren
  • Bewegungen bewusst langsam vormachen
  • unterschiedliche Perspektiven zeigen
  • wichtige Körperpositionen besonders hervorheben
  • mit Spiegeln arbeiten
  • Videos oder Bilder als Ergänzung einsetzen

Besonders bei komplexeren Tricks kann es sinnvoll sein, nicht sofort die komplette Bewegung zu zeigen, sondern sie zunächst in einzelne visuelle Abschnitte zu zerlegen.

Auditive Lerntypen fördern

Für auditive Lernerinnen ist eine klare Sprache entscheidend.

Trainerinnen können:

  • Bewegungen Schritt für Schritt erklären
  • kurze und einprägsame Cues verwenden
  • während der Ausführung verbales Feedback geben
  • wichtige Hinweise wiederholen
  • Bewegungsrichtung und Kontaktpunkte klar benennen

Statt während eines Tricks einen halben Roman zu erzählen, funktionieren kurze Cues oft besser: „Push – Pull – Hüfte hoch.“

Kinästhetische Lerntypen fördern

Kinästhetische Lernerinnen brauchen vor allem eines: Zeit zum Ausprobieren.

Trainerinnen können:

  • nach kurzen Erklärungen schnell ins praktische Üben wechseln
  • ausreichend Wiederholungen ermöglichen
  • einzelne Bewegungsbestandteile als Drills üben lassen
  • Vorübungen am Boden oder an der Pole einsetzen
  • unterschiedliche Kontaktpunkte bewusst spüren lassen
  • mit Spotting oder taktilen Korrekturen arbeiten

Bei körperlichen Korrekturen sollte natürlich vorher geklärt werden, ob Berührungen für die jeweilige Person in Ordnung sind.

Kommunikative Lerntypen fördern

Kommunikative Lernerinnen profitieren davon, wenn Unterricht keine Einbahnstraße ist.

Trainerinnen können:

  • Fragen ausdrücklich zulassen
  • Teilnehmerinnen Bewegungen mit eigenen Worten beschreiben lassen
  • Partnerübungen einbauen
  • kleine Gruppen gemeinsam Fehler analysieren lassen
  • Fragen stellen wie: „Wo spürst du gerade den Kontaktpunkt?“
  • Schülerinnen erklären lassen, warum eine bestimmte Technik funktioniert

Gerade das Erklären gegenüber anderen kann dabei helfen, das eigene Verständnis zu überprüfen.

Lesend-schreibende Lerntypen fördern

Auch schriftliche Informationen lassen sich unkompliziert in den Pole-Unterricht integrieren.

Trainerinnen können:

  • Tricknamen sichtbar notieren
  • kurze Schrittfolgen bereitstellen
  • Trainingspläne oder Handouts erstellen
  • nach dem Training eine digitale Zusammenfassung teilen
  • Teilnehmerinnen Zeit für eigene Notizen geben
  • Übungslisten für das freie Training bereitstellen

Gerade bei Workshops oder intensiven Trainingseinheiten können solche Unterlagen hilfreich sein. Denn spätestens drei Tage später lautet die Erinnerung sonst gerne: „Wir haben diesen einen richtig coolen Trick gemacht … irgendwas mit einem Bein.“

Fazit: Es gibt nicht den einen richtigen Weg, Pole zu lernen

Die fünf Lerntypen zeigen vor allem eines: Nicht jede Erklärung funktioniert für jede Tänzerin gleich gut. Während eine Person einen Trick einmal sehen muss, braucht die nächste eine genaue verbale Erklärung – und eine dritte versteht ihn erst, nachdem sie ihn selbst ausprobiert hat.

Dabei sollte man Lerntypen nicht als starre Kategorien verstehen. Die wissenschaftliche Forschung unterstützt die Vorstellung nicht, dass jeder Mensch ausschließlich einem festen Lerntyp entspricht und nur auf diese Weise optimal lernen kann. In der Praxis können die verschiedenen Lernwege aber eine hilfreiche Orientierung sein.

Für Trainerinnen bedeutet das: vormachen, erklären, ausprobieren lassen, besprechen und Informationen festhalten.
Und für alle Teilnehmer*Innen: Selbst bei dem kompliziertesten Trick werdet ihr früher oder späten den magischen Pole-Moment haben wo ihr sagt: „Ach SO muss ich das machen!“


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