Irgendwann kommt bei wahrscheinlich jedem/jeder Pole Tänzer(in) der Gedanke „Ich könnte mir vorstellen, selbst zu unterrichten“. Für mich wurde daraus im August 2026 plötzlich ein „Okay, ich stehe jetzt wirklich vorne“.
Mein erster eigener Pole Dance Workshop stand an. Zwei Stunden Floorwork und Low Flow, speziell für absolute Anfängerinnen und Teilnehmerinnen mit Verletzungen – und für mich die perfekte Gelegenheit herauszufinden, ob Unterrichten wirklich etwas für mich ist.
Inhaltsverzeichnis
- Wie habe ich meinen ersten Workshop vorbereitet?
- Die Choreo: lieber zugänglich als beeindruckend kompliziert
- Showtime: Wie lief der Workshop?
- Fazit: War das Unterrichten etwas für mich?
Wie habe ich meinen ersten Workshop vorbereitet?
Die Idee für den Workshop entstand schon einige Monate vorher. Mir war von Anfang an wichtig, ein Format zu entwickeln, das auch für Menschen geeignet ist, die noch nie Pole Dance gemacht haben oder aufgrund von Verletzungen bei manchen Bewegungen vorsichtiger sein müssen.
Dazu kam ein weiterer Faktor: Hochsommer. Bei hohen Temperaturen wird Pole ohnehin zu einer kleinen Grip-Lotterie. Deshalb wollte ich bewusst keine Choreo planen, die durch schwierige Tricks oder sehr kraftintensive Elemente zusätzlich anstrengend wird.
Als Song hatte ich mir „Welcome to Eclesia“ von Naika ausgesucht. Nicht aufgrund einer ausgeklügelten musikalischen Analyse, sondern aus einem ziemlich simplen Grund: Ich mochte den Song und hatte beim Hören direkt Bewegungen und eine Choreo im Kopf.
Insgesamt bereitete ich etwa zwei Minuten Choreografie vor. Dabei achtete ich bewusst darauf, Bewegungen zu vermeiden, die Knie oder Schultern stark belasten könnten. Rückwärtsrollen, Schulterstände oder Elemente, bei denen das Körpergewicht einarmig an der Pole gehalten werden muss, kamen deshalb gar nicht erst hinein.
Gleichzeitig wollte ich zeigen, wie vielseitig Pole Dance sein kann. Deshalb kombinierte ich bewusst Bewegungen und Einflüsse aus verschiedenen Tanzstilen, statt mich ausschließlich auf einen bestimmten Stil festzulegen.
Und obwohl die Choreo eigentlich stand, habe ich sie in den zwei Monaten vor dem Workshop immer wieder verändert. Hier ein Move raus, dort ein Übergang anders – offenbar ist eine Choreo erst dann wirklich fertig, wenn man keine Zeit mehr hat, sie noch einmal umzubauen.
Annas Hinweis: Wer meine Workshop-Playlist inklusive Warm-Up und Cooldown hören will, findet sie auf unserer Spotify Account
Die Choreo: lieber zugänglich als beeindruckend kompliziert
Um die Choreo musikalisch möglichst genau aufzubauen, erstellte ich mir eine Tabelle. Auf der linken Seite standen die Lyrics, auf der rechten Seite notierte ich, welcher Move zu welcher Stelle im Song getanzt werden sollte. Dadurch konnte ich bestimmte Akzente in der Musik gezielt aufgreifen.
Außerdem stellte ich bereits rund zwei Monate vorher eine Playlist zusammen, deren Songs zum Vibe der eigentlichen Choreo passten.
Auch den zeitlichen Ablauf plante ich relativ genau:
- Intro: ca. 5 Minuten
- Warm-up: ca. 15 Minuten
- Technik: 20–30 Minuten
- Choreo: ca. 30 Minuten
- Filmen: 15 Minuten
- Cooldown: 10 Minuten
Damit ich während des Workshops nicht ständig überlegen musste, wie viel Zeit uns noch bleibt, besorgte ich mir außerdem eine kleine Uhr von Ikea, die die gesamte Zeit neben meiner Trinkflasche stand.
Für den nächsten Workshop nehme ich mir vor: das Video nehme ich nicht erst zwei Wochen später auf.
Wer sich die Choreo abspeichern möchte, findet sie auf Instagram…
Warm Up – von unten nach oben und von innen nach außen
Für das Warm-up hatte ich vier Songs eingeplant und einen klaren Aufbau gewählt. Wir starteten am Boden und arbeiteten uns mit jedem Song ein Stück weiter nach oben.
Das erste Lied („Upside down“ von Diana Ross) fand komplett im Liegen statt. Mit Übungen wie Pilates Roll-Ups und Goddess Ups lag der Fokus zunächst auf Core und Wirbelsäule.
Das zweite Lied („Smooth Operator“ von Sade) fand durchgehend im Sitzen statt – wir mobilisierten mit einem entspannten Flow die seitlichen Muskeln und Beine.
Beim dritten Lied („A gira“ von unfazed) wechselten wir auf die Knie und bezogen zunehmend weitere Körperbereiche wie Schultern, Hüfte und Knie mit ein und das Tempo wirrd zunehmend lebhafter.
Beim vierten Song („Water“ von Naïka) ging es schließlich in den Stand und den Vibe der Choreo. Jetzt kamen auch die weiter außen liegenden Bereiche dazu, unter anderem Kopf, Hände und Füße.
So wurde aus dem Warm-up eine schrittweise Bewegung vom Boden in den Stand und gleichzeitig von der Körpermitte nach außen.
It’s Showtime: Wie lief der Workshop?
Am Tag selbst war ich etwa 15 Minuten vor Beginn da – und drei Teilnehmerinnen warteten tatsächlich schon. Gemeinsam gingen wir in den Trainingsraum und kümmerten uns angesichts der sommerlichen Temperaturen erst einmal um das Wichtigste: Fenster auf und Ventilator an.
Außerdem hatte ich noch eine kleine Überraschung vorbereitet. In einer Kühlbox warteten für jede Teilnehmerin zwei Wassereis.
Was zunächst einfach als kleines sommerliches Goodie gedacht war, stellte sich nach zwei Stunden Pole Dance als ziemlich gute Entscheidung heraus. Denn auch ein anfängerfreundlicher Workshop bleibt bei Hochsommertemperaturen Sport. Das Wassereis kam entsprechend sehr gut an.
Eine meiner größten Fragen vor dem Workshop war natürlich: Wie viel von der vorbereiteten Choreo schaffen wir tatsächlich?
Immerhin waren sowohl Teilnehmerinnen mit Verletzungen, beispielsweise am Knie, als auch Frauen dabei, die vorher noch überhaupt keine Pole-Dance-Erfahrung hatten.
Und das Ergebnis hat mich wirklich überrascht.
Von den vorbereiteten zwei Minuten Choreo schaffte die Gruppe ungefähr 1 Minute und 20 Sekunden. Lediglich der letzte Bodenpart fiel weg.
Gerade angesichts des Levels fand ich das richtig stark. Die Teilnehmerinnen kamen sehr gut mit den Bewegungen zurecht und wir konnten am Ende sogar wie geplant filmen.
Für die Aufnahme machten wir drei komplette Durchläufe der erlernten Choreo – eine komplett ohne mich.
Die vorher festgelegten Zeitfenster haben mir während des Workshops sehr geholfen und ich konnte mich größtenteils daran orientieren. Lediglich beim Choreo-Teil hatte ich mich etwas verschätzt.
Dadurch lagen die zehn Minuten Cooldown am Ende bereits außerhalb der ursprünglich geplanten Workshopdauer von zwei Stunden.
Und auch, wenn ich vorab alles durchgeplant hatte (Hallo, Typ-A Persönlichkeit) , war ich so aufgeregt, dass mein Technik komplett durcheinander war. Aber die Teilnehmerinnen haben es trotzdem gerockt. ♥️
Für meinen ersten Workshop ist das aber eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich mitnehme:
Eine Choreo braucht in der Vermittlung eben doch etwas mehr Zeit, als sie allein im eigenen Kopf und Körper braucht.
Und genau für solche Erfahrungen war dieser erste Workshop schließlich gedacht.
Fazit: War das Unterrichten etwas für mich?
Ich habe diesen Workshop auch gegeben, um für mich selbst herauszufinden, ob ich überhaupt gerne unterrichte – und meine Antwort darauf ist ziemlich eindeutig: Ja. Die Teilnehmerinnen sind trotz unterschiedlicher Voraussetzungen sehr gut mitgekommen, ich habe tolles Feedback bekommen und hatte selbst unglaublich viel Spaß an den zwei Stunden.
Ich werde definitiv noch einen zweiten Workshop starten – als Vergleichserfahrung.
Was ich nächstes Mal anders machen werde?
Ein Gruppenbild machen – vorzugsweise am Anfang der Stunde sowie eine bessere Struktur im Technikteil.

